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Unsere Analyse: Ist "Star Wars 8: Die letzten Jedi" ein Megahit geworden oder nicht?
Von Carsten Baumgardt — 17.02.2018 um 19:00
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Der jüngste „Star Wars“-Blockbuster spielte weltweit eine gigantische Summe ein, blieb aber deutlich hinter dem Einspielergebnis von „Star Wars 7“. Kann sich Disney nun freuen oder nicht? Wir sortieren die Fakten und eine Menge Zahlen.

Lucasfilm/Disney

Der Kinostart von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ im Dezember 2017 zog eine inhaltliche Kontroverse nach sich, unter anderem darüber, ob der Regisseur nun das Erbe von Luke Skywalker verraten habe oder nicht – am Ende der Kinoauswertung entbrannte dann eine Diskussion um die Einordnung des weltweiten Einspielergebnisses. Die Analysten des Wall Street Journal sprechen zum Beispiel von einer Enttäuschung und sehen „das Momentum verloren“, weil „Die letzten Jedi“ mit Einnahmen von 1,326 Milliarden Dollar rund 36 Prozent hinter den Kinoticketumsätzen von „Das Erwachen der Macht“ (2,068 Milliarden Dollar) ist. Währenddessen hält Forbes dagegen, dass alles in bester Ordnung sei: Der Abfall der Zahlen liege innerhalb der normalen Werte, da eine Fortsetzung der Erfahrung nach nun mal weniger einspiele.

Den letzten Jedi ging die Luft aus

Interessant wird es, wenn man exemplarisch einen Blick auf den Verlauf der Einnahmen in Nordamerika wirft, wo „Die letzten Jedi“ derzeit kurz vor Ende seiner Spielzeit bei 617,1 Millionen Dollar steht („Das Erwachen der Macht“ hält den All-Time-US-Rekord von 936,7 Mio. Dollar). „Die letzten Jedi“ startete dort mit 220,0 Millionen Dollar am ersten Wochenende, das lag nur 11,3 Prozent hinter „Das Erwachen der Macht“ (248,0 Mio. Dollar), stürzte an den folgenden Wochen aber mit 35,6 Prozent, 28,8 Prozent und 43,7 Prozent hinter „Star Wars 7“ zum vergleichbaren Zeitraum – was sich auf ein Gesamtminus von 34,1 Prozent einpendelte. Das mag vielleicht auch mit der sehr starken Konkurrenz von „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ zu tun haben, der in Nordamerika bisher unerwartete 367,4 Millionen Dollar einspielte, aber es gibt noch weitere Gründe, warum „Die letzten Jedi“ schneller die Luft ausging als „Das Erwachen der Macht“.

Bei den Kritikern kamen beide „Star Wars“-Filme gleichermaßen hervorragend an und erzielten bei der wichtigsten Aggregator-Plattform Metacritic Werte von 81 („Das Erwachen der Macht“) bzw. 85 („Die letzten Jedi“) von 100 Punkten. Bei Rottentomatoes gab es einen durchschnittlichen Score von 8,2 („Das Erwachen der Macht“, 93 Prozent fresh) bzw. 8,1 („Die letzten Jedi“, 91 Prozent fresh) von 10. Hier aber ist der User-Score besonders interessant, denn während bei „Das Erwachen der Macht“ mit einer Wertung von 4,3 (von 5) und 88 Prozent „liked it“ noch alles fein aussieht, kracht „Die letzten Jedi“ mit einer User-Wertung von 3,0 (von 5) bei 48 Prozent „liked it“ geradezu ein, weil Rian Johnsons Film so kontrovers aufgenommen und von einem Teil der Hardcore-Fangemeinde vehement abgelehnt wird. Gerade diese Zuschauer fehlen bei den Wiederholungsguckern, die ein zweites, drittes oder gar viertes Mal in den Film pilgern.

"Star Wars"-Müdigkeit und China

Daneben kommt auch noch der Ermüdungsfaktor hinzu. 2015 war „Star Wars“ nach der Rechteübernahme von Disney im Jahr 2012 neu und frisch, die Spannung der Zuschauer auf dem Siedepunkt. Inzwischen weiß das Publikum, welche Art von Sternenkrieg es von Disney bekommt. Im Jahresrhythmus lässt der Mäusekonzern seitdem seine „Star Wars“-Werke vom Stapel. Bloß ein halbes Jahr nach „Die letzten Jedi“ startet mit dem zweiten Disney-Spin-off „Solo: A Star Wars Story“ (deutscher Start: 24. Mai 2018) sogar schon der nächste Film.

Ein weiterer Faktor ist China. Dort nahm „Die letzten Jedi“ nur 42,6 Millionen Dollar ein (zum Vergleich: „Fast And Furious 8“ holte 392,8 Mio. Dollar), und somit 65,7 Prozent weniger als „Das Erwachen der Macht“ (124,2 Mio. Dollar). Gerade der immer wichtiger werdende chinesische Markt sollte weiter erobert werden, doch dieser Schuss ging in einem Land, in dem „Star Wars“ nie eine große Sache war, nach hinten los. Disney „gräbt derzeit noch nach den Gründen“, wie Vertriebschef Dave Hollis offen zugibt. Auch in Deutschland musste „Die letzten Jedi“ mit derzeit 5.856.717 Zuschauern gegenüber 9.018.037 für „Das Erwachen der Macht“ spürbar zurückstecken (ein Minus von 35,1 Prozent).

Jammern auf hohem Niveau

Die Box-Office-Einnahmen seien „das Resultat, das wir erwartet haben“, sagte Hollis. Zudem führte der Disney-Top-Funktionär an, dass bei allen „Star Wars“-Trilogien der Mittelteil am wenigsten umsetzte. Jeder bei Disney rechnete mit geringeren Einnahmen von „Die letzten Jedi“ gegenüber „Das Erwachen der Macht“ – trotzdem lagen die internen Prognosen wohl über den tatsächlichen 1,325 Milliarden Dollar weltweit, auch wenn Disney selbst das nicht zugegen will.

„Die letzten Jedi“ schaffte es „nur“ auf Platz 9 der ewigen Umsatzbestenliste und blieb hinter Blockbustern wie „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ (1,341 Milliarden Dollar), „Avengers: Age Of Ultron“ (1,405 Milliarden Dollar), „Fast And Furious 7“ (1,516 Milliarden Dollar), „Marvel’s Avengers“ (1,519 Milliarden Dollar) und „Jurassic World“ (1,672 Milliarden Dollar) zurück – ganz zu schweigen von James Camerons Spitzenreiter-Duo „Titanic“ (2,188 Milliarden Dollar) und „Avatar“ (2,788 Milliarden Dollar). Das darf man durchaus als mild enttäuschend werten. Doch am Ende des Tages hat „Die letzten Jedi“ noch das 6,6-fache des Produktionsbudgets von 200 Millionen Dollar eingespielt und ist meilenweit davon entfernt, ein Flop zu sein. Somit ist das Abschneiden etwas hinter den Erwartungen für Disney höchstens ein Luxusproblem - zumal das meiste Geld bei „Star Wars“ ohnehin nicht mit den Filmen, sondern mit Spielzeug und anderen Produkten verdient wird, auf denen das berühmte gelbe Logo klebt. Ein Film, der so viele Menschen erreicht wie „Star Wars 8“, ist eine herausragende Werbung, selbst wenn das Einspiel ein bisschen enttäuscht.

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